Lars Rüffert beantwortet euch heute alle wichtigen Fragen über die Ausbildung zum Hair- and Make-up Artist

Lars Rüffert ist seit nun 20 Jahren im Geschäft. Er begann seine Karriere mit einer klassischen Ausbildung als Friseur, absolvierte in diesem Beruf seinen Meister und arbeitete bereits bei Deutschlands besten Friseursalons wie z.B. Toni and Guy. Er war Trainer bei Mod´s Hair und wurde daraufhin oft für Modeshootings angefragt. Seit nun 10 Jahren arbeitet er selbstständig als Hair and Make-up Artist und seine Arbeitswege können nun auch schon mal 16.000 km betragen, z.B wenn er von Südafrika in die USA fliegen muss. Durch die aktuelle Lage weltweit, begann er wieder in Köln als Friseur zu arbeiten und bedient seine Kunden in einem Partnersalon.

Mehr Infos findet ihr auf seinen beiden Webseiten: lars-rueffert.com & friseurkoeln.one

Hallo Lars und erst mal vielen Dank für das Interview.

Wie lange bist Du bereits als Hair & Make-up Artist tätig?

Ich habe eine 10-jährige Laufbahn als Friseur hinter mir, dazu kommen noch weitere 10 Jahre als selbständiger Visagist und Hairstylist hinzu.

Das Highlight deiner Karriere bis dato?

Da gibt es ganz viele, jeder Job ist spannend und individuell. Der Werbespot für 4711, der von Palladium Film gedreht wurde, war aber sicherlich einer der schönsten und herausfordernsten Jobs. Fünf Tage mit einem Team von über 50 Personen, zwei Locations pro Tag, für letztendlich 15 Sekunden Werbespot! Es schmeichelt einem natürlich, wenn Tommy Hilfiger einen nach Sylt einfliegen lässt oder ein Victoria Secret Model einem die Tür öffnet. 😉 Mal fliegt man von Südafrika über London oder Sao Paulo nach New York, über London. Oder brasilianische Kunden buchen einen über deine deutsche Agentur um mit dir in Äthopien zu arbeiten. Manchmal ist es schon crazy. Da fällt mir noch viel mehr ein, aber das würde den Rahmen sprengen!

Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Die Abwechslung! Shootingtage wo es richtig Geld gibt und natürlich Fotoshootings bei denen ich kreativ sein darf (das ist bei ca. 10% der Fall). Aber auch die Bürotage, an denen ich mal alleine von zuhause aus arbeiten darf oder die Salontage, an denen ich wieder mal schneiden und färben darf (und immer direkt eine Kundin habe die mich am Ende drücken möchte) gefallen mir an meinem Job. 🙂 Wie gesagt, es ist die Abwechslung. Mehr dazu auf Friseurkoeln.one

Was gefällt Dir an Deinem Job am wenigsten?

Saisonale Schwankungen in den Buchungen und nie genau zu wissen, was in drei Monaten ist. Darum ist ein zweites Standbein auch so wichtig. Bei mir ist es der Friseurbereich oder Produktionen, die ich für Kunden selbst umsetze. Ab und zu mal etwas SEO Beratung gehört mittlerweile auch dazu.

Wie wird man Hair-Stylist & Visagist?

Heutzutage reicht es in seinem Instagram Account den Begriff „Hair and Make-up Artist“ einzutragen und man ist für die Öffentlichkeit ein Visagist. Leider ist es kein geschützter Beruf und durch die vielen Academys, die es in den Großstädten wie Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Berlin, Hamburg, München mittlerweile gibt, werden täglich neue „Make-up Artists“ ausgebildet und zwar innerhalb von 4 Wochen. Viele denken, dass sie dann direkt arbeiten können, nur sieht die Realität dann doch anders aus.

Hair

Die Ausbildung als Visagist, Maskenbildner, Hairdresser und Make-up Artist dauert tatsächlich viele Jahre. Die meisten scheitern im Job einfach an den Haaren, darum ist es wichtig vorher eine grundierte Ausbildung als Hairstylist zu machen, um einen guten Job zu machen und die Herausforderungen, die kommen werden, meistern zu können. Als Beispiel hatte ich diese Woche einen Neukunden, Tigha, ein sehr gutes Männermodelabel mit Sitz in Düsseldorf. Die letzte Artistin wurde nicht mehr gebucht, da sie keine Haare schneiden konnte. Sie war also keine ausgebildete Friseurin. So wurde ich von der Fotografin empfohlen, machte anscheinenend einen super Job und nun habe ich die nächste Buchung in 4 Wochen für den Kunden sicher. Dies ist nur ein Beispiel, das zeigt, wie wichtig Haare für den Beruf sind. Man muss einfach viele Techniken auf Lager haben und auch verstehen, welche man einsetzen kann wenn der Kunde dir einen Mood schickt.

Make-up

Die ganzen Make-up Academys vermitteln schon viele Basics in ihren Kursen. Besonders im Bezug auf die Gesichtsform und die verschiedenen Produkte, die von Nöten sind oder welcher Pinsel für was benutzt wird. Viele bieten auch eine Grundausstattung an Produkten an, die man meistens noch dazu kaufen kann.

Kann man deiner Meinung nach als Make-up Artist, ohne Friseurausbildung sehr erfolgreich werden?

Leider ist dies sehr schwierig. Es gibt Artists die ohne eine Ausbildung als Friseur gut arbeiten und ein wunderbares Gefühl für Haare haben. Leider sind das nur sehr wenige. Selbst Friseure tun sich oft schwer mit dem richtigen Schnitt für das jeweilige Haar und können nicht alles umsetzen. Es erfordert Erfahrung. Wenn ihr euch sehr fit fühlt, könnt ihr einen Academy Kurs nur für Haare belegen und die verschiedenen Techniken lernen. Gerade heutzutage wo die Budgets nicht mehr so hoch sind wie vor 10 Jahren, ist es wichtig, dass du Haare mitlernst. Denn auf Fotoshootings steht oft nur ein Artist und der bist du.

Wie wichtig ist es für einen Hair- & Make-up Artisten eine Agentur zu haben?

Sobald man relativ sicher ist mit dem Umgang eines Kunden und mit Haar und Make-up finde ich es sehr gut. Die Agentur kann dir Jobs/Editorials am Anfang vermitteln, die du normalerweise noch nicht so schnell erreichen würdest. Sollten die Kunden mehrmals negativ von dir sprechen, bist du allerdings sehr schnell verbrannt. Entweder wird dir gekündigt oder du endest als Karteileiche in der Agentur. Nach ein paar Jahren in einer Agentur bist du etabliert und könntest dich trennen und auf eigene Faust weiter arbeiten. Allerdings fehlt dir dann für den letzten Erfolgs-Step wiederum die Agentur, da große Kunden in der Regel nur mit Agenturen arbeiten- erstens aus Bequemlichkeit und zweitens wegen der rechtlichen Absicherung.

Wie groß ist die Konkurrenz bzw. wie viele Hair- & Make-up Artisten gibt es in Deutschland überhaupt?

Zu viele! Kann keine Zahl sagen … würde schätzen von den Mädels die diesen Traum verfolgen und eine Schule besuchen sind nach zwei Jahren nur noch 50% am Markt. Und nach 5 Jahren nur noch 20%. Folglich: Konkurrenz ist hart und nur wer dran bleibt, überlebt. Den Schulen ist dies leider egal und du bist noch lange nicht fertig, wenn du schminken kannst oder ein paar Hairstylings umsetzt. Danach kommen noch viele Marketingpunkte.

Hast du einen mega Beauty-Trick, den niemand kennt?

Keinen, den ich hier verraten würde. 😉 Dazu muss man schon bei mir assistieren.

Was ist deine Erfahrung: Sind die teuersten Produkte die Besten?

Vom Namen und von der Platzierung im Markt definitiv. Ich muss etwas aufpassen, was ich antworte, da mich viele große Firmen unterstützen. Sagen wir mal so: Eine Foundation oder Wimperntusche vom dm kann sehr gut sein und auch teure Produkte schlagen. Dennoch werden in günstigen Produkten meistens günstige Alkohole, Silikone oder Konservierungsstoffe benutzt, die in teurem Make-up nicht vorkommt.

Auf der anderen Seite : Ihr habt einen Job und dieser ist gut bezahlt. Das Model, der/ die Fotograf(in), die ganze Produktion. Das ist alles sehr teuer für den Kunden. Dieser Kunde ist meistens weiblich, auch meistens gut verdienend. Überlegt mal: der schaut bei Euch vorbei um zu sehen, wie ihr arbeitet und ihr benutzt ein Make-up von dm und keines von DIOR, CHANEL, FENTY, ARMANI, MAC etc.

Was denkt ihr, wie denkt diese Frau darüber und was denkt das Model? Ihr müsst es so sehen: Manchmal ist es einfach in einen Job reinzukommen, den Kunden über Jahre zu halten aber nicht!

Was ist Deine Definition von Schönheit?

Sich selbst zu mögen ist auf jeden Fall schön. Jeder Mensch betrachtet äußere Schönheit anders und sie ist individuell. Niemand sollte sich von den Medien beeinflussen lassen.

Vielen Dank für das Interview Lars!

Photo credit: Per Florian Appelgren Photography perflorianappelgren.de

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